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"Party
feiern"
Wer
bestimmt, wo es langgeht - Reiter oder
Pferd? Auf dem Reiterhof Berkenkamp half eine Tierpsychologin, beim
Sicherheitstraining die Rangordnung zu klären
Die
Tierpsychologin Janet Rosenberger greift
durch und zeigt Ferrero Küsschen, dass er ihr nicht seinen Willen
aufzwingen
kann. Spurt er später nicht, zeigt sie ihm auch schon mal die "gelbe
Karte". Foto: WAZ, Sonja Glaser-Stryak Ferrero
Küsschen läuft neben seiner Besitzerin
Doris Gieskes in der Reithalle von Hof Berkenkamp auf und ab. Seine
Ohren
aufmerksam auf die Geschehnisse um ihn gerichtet. Während Doris und ihr
Pferd
angespannt zum Stehen kommen, legt Janet Rosenberger auch schon los und
fragt
die anderen Teilnehmer des Seminars, was ihnen auffalle. Während also
der
Fuchswallach Ferrero und Doris in der Halle stehen, ist die
Ängstlichkeit
offensichtlich. "Das Verhalten eines Menschen überträgt sich immer auf
sein Tier." Und so ist es gar nicht verwunderlich, dass Ferrero Angst
vor
vielen Dingen in seinem Leben hat. Die
Tierpsychologin nimmt nun der Besitzerin Ferrero aus der Hand und sie
muss von
der Bank aus zuschauen, was mit ihrem geliebten Pferd passiert. Sie ist
sichtlich nervös. Ferrero hingegen schaut noch einmal kurz nach rechts
und
links und lässt dann entspannt den Kopf hängen, während Janet
Rosenberger ihn
streichelt. Ferrero wirkt wie ausgewechselt. Der
Strick, der am Halfter befestigt ist, liegt am Boden. Ferrero beginnt
sich zu
langweilen, knabbert am Seil und scharrt mit den Hufen. Doris will
einschreiten, doch Janet Rosenberger weist sie ab und zeigt ihr die
"gelbe
Karte". "Was ist schlimm daran, wenn er sich wälzen möchte?" Die
Besitzerin zeigt auf den Strick, hat Angst, dass ihr Pferd sich darin
verfängt.
"Glaubst du, dein Pferd ist doof?". Janet Rosenberger provoziert:
"Wenn du unruhig wirst, überträgt sich das nur auf dein Pferd - warum
ist
er bei mir so ruhig? Weil es mir egal ist, was er tut." Spätestens hier
wird deutlich: Nicht das Pferd ist das Problem, sondern der Besitzer. Janet
Rosenberger geht nun mit Ferrero die anderen Übungen durch, die die
Teilnehmer
vorher im theoretischen Teil gelernt haben. Und der große Fuchs ist
kein
einfacher Fall. Immer wieder versucht er, seinen Willen durchzusetzen.
Doch die
Tierpsychologin lässt das nicht mit sich machen und greift durch, mit
ihren
eigenen Mitteln. Doch als es an die Führungsaufgabe geht, wird es
langsam
ernst. Der Wallach will partout nicht das, was Janet Rosenberger
möchte. Immer
wieder richtet sie das Pferd nach rückwärts. Und allmählich wird es
Ferrero zu
bunt, er schlägt nervös mit dem Schweif und drückt seinen Unmut
deutlich aus.
Als er sich schließlich weigert, zieht die Tierpsychologin mehrmals
fest am
Halfter. Doris kann das gar nicht mit ansehen und will einschreiten.
Das merkt
Janet Rosenberger auch: "Was ist?", fragt sie. "Bitte nicht so
fest am Halfter ziehen", bittet die Pferdebesitzerin. "Dann können
wir sofort mit den Übungen aufhören", greift Rosenberger durch. Sie hat
kein Mitleid, weder mit Pferd noch mit Besitzerin. Doris ist nun noch
angespannter als vorher, nervös hat sie die Hände ineinander
geschlagen, ihre
Gedanken scheinen abzuschweifen, denn sie bekommt kaum mit, dass
Ferrero nun
die Aufgabe bestens meistert. Während die Psychologin mit dem Tier eine
"Party feiert", wie sie es nennt, wenn sie die Pferde für ihr
Verhalten lobt und scherzhaft nach Champagner ruft, sitzt Doris immer
noch
betroffen auf der Bank. "Hast du das Gefühl, dass dein Pferd noch böse
auf
mich ist?", fragt Janet Rosenberger. Nun sieht auch Dorisein, dass ihr
Pferd
zufrieden wirkt. Doris muss jetzt zeigen, ob sie verstanden hat und ob
sie das
Gezeigte auch umsetzen kann. Aber bald zeigt sich wieder die
Angespanntheit.
Beim Führen klappt es nicht so richtig, und bei den Streichelübungen
versucht
der Wallach auszuweichen. Langsam versteht Doris, der Unterschied im
Verhalten
ihres Pferdes ist überdeutlich. Dabei wollte sie ja immer nur sein
Bestes. Doch
das Umsetzen ist nicht so leicht. Als
sie
schließlich mutig mit dem Wallach über eine blaue Plastikplane steigt,
regt
sich der Wallach ein wenig auf. Janet Rosenberger ist enttäuscht. Nicht
über
die Leistung, die überrascht sie eher positiv, sondern, dass Doris mit
ihrem
Pferd "keine Party feiert". Immer wieder schreitet sie nun ein, zeigt
gelbe Karten, korrigiert. Nach dem Sicherheitstraining sind alle
Teilnehmer
erschöpft. Die vielen Informationen, mit ihrem Pferd in Zukunft
stressfrei
umzugehen, werden sie in den nächsten Wochen immer wieder üben und
umsetzen.
Bis Doris schließlich die Rangordnung geklärt hat. |