Janet Rosenberger - Coaching – Reitunterricht – Sicherheitstraining
Termine
Profil
Presse
Kontakt


"Party feiern"

Velbert, 06.07.2008, Von Isabel Papke

Wer bestimmt, wo es langgeht - Reiter oder Pferd? Auf dem Reiterhof Berkenkamp half eine Tierpsychologin, beim Sicherheitstraining die Rangordnung zu klären

Die Tierpsychologin Janet Rosenberger greift durch und zeigt Ferrero Küsschen, dass er ihr nicht seinen Willen aufzwingen kann. Spurt er später nicht, zeigt sie ihm auch schon mal die "gelbe Karte". Foto: WAZ, Sonja Glaser-Stryak (WAZ)

Die Tierpsychologin Janet Rosenberger greift durch und zeigt Ferrero Küsschen, dass er ihr nicht seinen Willen aufzwingen kann. Spurt er später nicht, zeigt sie ihm auch schon mal die "gelbe Karte". Foto: WAZ, Sonja Glaser-Stryak

Ferrero Küsschen läuft neben seiner Besitzerin Doris Gieskes in der Reithalle von Hof Berkenkamp auf und ab. Seine Ohren aufmerksam auf die Geschehnisse um ihn gerichtet. Während Doris und ihr Pferd angespannt zum Stehen kommen, legt Janet Rosenberger auch schon los und fragt die anderen Teilnehmer des Seminars, was ihnen auffalle. Während also der Fuchswallach Ferrero und Doris in der Halle stehen, ist die Ängstlichkeit offensichtlich. "Das Verhalten eines Menschen überträgt sich immer auf sein Tier." Und so ist es gar nicht verwunderlich, dass Ferrero Angst vor vielen Dingen in seinem Leben hat.

Die Tierpsychologin nimmt nun der Besitzerin Ferrero aus der Hand und sie muss von der Bank aus zuschauen, was mit ihrem geliebten Pferd passiert. Sie ist sichtlich nervös. Ferrero hingegen schaut noch einmal kurz nach rechts und links und lässt dann entspannt den Kopf hängen, während Janet Rosenberger ihn streichelt. Ferrero wirkt wie ausgewechselt.

Der Strick, der am Halfter befestigt ist, liegt am Boden. Ferrero beginnt sich zu langweilen, knabbert am Seil und scharrt mit den Hufen. Doris will einschreiten, doch Janet Rosenberger weist sie ab und zeigt ihr die "gelbe Karte". "Was ist schlimm daran, wenn er sich wälzen möchte?" Die Besitzerin zeigt auf den Strick, hat Angst, dass ihr Pferd sich darin verfängt. "Glaubst du, dein Pferd ist doof?". Janet Rosenberger provoziert: "Wenn du unruhig wirst, überträgt sich das nur auf dein Pferd - warum ist er bei mir so ruhig? Weil es mir egal ist, was er tut." Spätestens hier wird deutlich: Nicht das Pferd ist das Problem, sondern der Besitzer.

Janet Rosenberger geht nun mit Ferrero die anderen Übungen durch, die die Teilnehmer vorher im theoretischen Teil gelernt haben. Und der große Fuchs ist kein einfacher Fall. Immer wieder versucht er, seinen Willen durchzusetzen. Doch die Tierpsychologin lässt das nicht mit sich machen und greift durch, mit ihren eigenen Mitteln. Doch als es an die Führungsaufgabe geht, wird es langsam ernst. Der Wallach will partout nicht das, was Janet Rosenberger möchte. Immer wieder richtet sie das Pferd nach rückwärts. Und allmählich wird es Ferrero zu bunt, er schlägt nervös mit dem Schweif und drückt seinen Unmut deutlich aus. Als er sich schließlich weigert, zieht die Tierpsychologin mehrmals fest am Halfter. Doris kann das gar nicht mit ansehen und will einschreiten. Das merkt Janet Rosenberger auch: "Was ist?", fragt sie. "Bitte nicht so fest am Halfter ziehen", bittet die Pferdebesitzerin. "Dann können wir sofort mit den Übungen aufhören", greift Rosenberger durch. Sie hat kein Mitleid, weder mit Pferd noch mit Besitzerin. Doris ist nun noch angespannter als vorher, nervös hat sie die Hände ineinander geschlagen, ihre Gedanken scheinen abzuschweifen, denn sie bekommt kaum mit, dass Ferrero nun die Aufgabe bestens meistert. Während die Psychologin mit dem Tier eine "Party feiert", wie sie es nennt, wenn sie die Pferde für ihr Verhalten lobt und scherzhaft nach Champagner ruft, sitzt Doris immer noch betroffen auf der Bank. "Hast du das Gefühl, dass dein Pferd noch böse auf mich ist?", fragt Janet Rosenberger. Nun sieht auch Dorisein, dass ihr Pferd zufrieden wirkt. Doris muss jetzt zeigen, ob sie verstanden hat und ob sie das Gezeigte auch umsetzen kann. Aber bald zeigt sich wieder die Angespanntheit. Beim Führen klappt es nicht so richtig, und bei den Streichelübungen versucht der Wallach auszuweichen. Langsam versteht Doris, der Unterschied im Verhalten ihres Pferdes ist überdeutlich. Dabei wollte sie ja immer nur sein Bestes. Doch das Umsetzen ist nicht so leicht.

Als sie schließlich mutig mit dem Wallach über eine blaue Plastikplane steigt, regt sich der Wallach ein wenig auf. Janet Rosenberger ist enttäuscht. Nicht über die Leistung, die überrascht sie eher positiv, sondern, dass Doris mit ihrem Pferd "keine Party feiert". Immer wieder schreitet sie nun ein, zeigt gelbe Karten, korrigiert. Nach dem Sicherheitstraining sind alle Teilnehmer erschöpft. Die vielen Informationen, mit ihrem Pferd in Zukunft stressfrei umzugehen, werden sie in den nächsten Wochen immer wieder üben und umsetzen. Bis Doris schließlich die Rangordnung geklärt hat.


> >Zum Artikel auf www.derwesten.de

zurück   ι   Home