Janet Rosenberger - Coaching – Reitunterricht – Sicherheitstraining
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Reiter und Pferde in Westfalen, November 2007

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So klappt das Verladen

Kommunikations- und Dominanzprobleme zwischen Mensch und Pferd oder traumatische Erlebnisse sind die Ursache für Probleme beim Verladen. Die Trainerin Janet Rosenberger aus Datteln beschreibt, wie sie solche Probleme löst.

Aus ganz verschiedenen Gründen können Pferde überängstlich, widersetzlich und verhaltensgestört reagieren. Schlagen, Beißen, Buckeln, Scheuen und Steigen sind keine Seltenheit. Das lässt sich beim Verladen, beim Reiten, beim Tierarzt, beim Hufschmied und auch im alltäglichen Umgang beobachten.

Meist sind dies aber keine Unarten, sondern Verhaltensweisen, die im Sinne des Pferdes gerechtfertigt sind. Diese Missverständnisse zwischen Mensch und Pferd führen zu gegenseitigem Stress, Angst und Misstrauen. Janet Rosenberger hilft eine tragfähige Brücke zwischen Mensch und Tier zu bauen. Das von mir entwickelte "Coachingprogramm" für Mensch und Pferd vermittelt fundierte Kenntnisse über Verhalten, Ausdrucksweise und Kommunikation des Pferdes. Ziel ist es, Menschen in kurzer Zeit beizubringen, dem Pferd das nötige Sicherheitsgefühl und Vertrauen zu vermitteln, bis ihm sein Pferd angst- und stress frei in den Hänger folgt und ruhig darin stehen bleibt, auch während der Fahrt.

Die Angst vor dem Anhänger

Ob beim Turnier, bei der Jagd oder am Reitstall - immer wieder ist der spektakuläre Tanz mit Pferd rund um den fahrbereiten Hänger zu beobachten. Und dabei spielt es kaum eine Rolle, ob es sich um ein austrainiertes Turnierpferd oder das selten geforderte Freizeitpferd handelt. Verladeprobleme scheinen zum Pferdesport zu gehören wie Hufschmied und Mist.

Doch warum stoßen auch begnadete Reiter hier bei ihrem Vierbeiner an ihre Grenzen? Und was lässt sich dagegen unternehmen oder gibt es wirklich hoffnungslose Fälle? Die sichere Basis: Rangordnung klären!

Generell beginnt die Lösung aller Verladeschwierigkeiten mit dem Verständnis, warum Pferde sich scheuen, einen Hänger zu betreten. Ein Desensibilisierungsprogramm und ein spezielles Verladetraining nimmt dem Pferd die Scheu vor dem Hänger und dem Fahren und vermittelt individuelle Verladetechniken vor Ort. Bei allen Pferden, die beim Verladen Schwierigkeiten machen, ist es notwendig die Rangordnung zu klären. Dadurch lösen sich bereits die meisten Verladeprobleme. Ein Pferd steigt nur mit seinem Reiter in den Hänger, wenn es diesem zu 100 % vertraut. Sobald der Reiter weiß, wie er seinem Pferd dieses Vertrauen vermittelt, wird sein Pferd in kürzester Zeit auch in den Hänger folgen.

Die Themen Rangordnung und Vertrauen kommen bei der Ausbildung der Pferde heute meist viel zu kurz. Doch bei traumatisierten Pferden, die schwere Unfälle miterlebt haben und aufgrund dessen keinen Hänger mehr betreten wollen, ist es unabdingbar, schnell eine solide Vertrauensbasis herzustellen.

Dazu das Beispiel eines jungen, sehr dressurtalentierten Wallachs aus Castrop-Rauxel: Als Youngster steckte der Wallach mit beiden Vorderbeinen in der vorderen Sattelkammer eines Hängers fest. Um ihn zu befreien, musste er schließlich aus dem Hänger geflext werden. Selbstverständlich stieg er danach nie wieder dort ein. Solche negativen Erfahrungen werden von Pferden nicht vergessen. Durch professionelle Hilfe kann dem Pferd aber sehr schnell deutlich gemacht werden, dass nicht jede Fahrt so enden muss. Mittlerweile lässt sich der "Kleine" in jede Reitstunde fahren.

Gott sei Dank liegt nicht bei jedem Pferd ein so dramatisches Traumaerlebnis vor. Die meisten Pferde, die sich nicht verladen lassen wollen, zeigen ganz klar: "Nein, dort steige ich nicht ein - wofür soll das gut sein?" Um das störrische Tier zum Umdenken zu bewegen, werden Hilfsmittel, wie Gerte, Besen, Longe, Mistgabel und ein ganzes Heer von Hilfspersonen genutzt - der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Doch je mehr Hilfsmittel wir heranziehen, desto deutlicher sagen wir unserem Pferd, dass wir unfähig sind, es in den Hänger zu führen.

Pferde haben instinktiv gelernt, ständig ums Überleben zu kämpfen. Also sind es auch ihre Instinkte, die wahrnehmen, wie wir mit ihnen kommunizieren. Und weil sie unsere verbale Sprache nicht verstehen, interpretieren sie unser Verhalten, das sich zu 98 % in der Körpersprache ausdrückt. Das wurde wissenschaftlich durch Studien von Kommunikationswissenschaftlern der Universität Essen-Duisburg bewiesen. Die richtige Körpersprache ist folglich ein Faktor für den Erfolg beim Verladen.

Das Pferd ist ein Fluchttier und meidet instinktiv dunkle, enge Räume. Auch die Ladeklappe erscheint ihm zunächst wenig sicher. Aus dem Grunde steigen Pferde erst gar nicht ein, bleiben dort nicht gerne lange stehen und werden somit auch nicht gerne gefahren.

Kolik - das Pferd muss in die Klinik und zwar sofort

Es gibt Situationen, da müssen Pferde transportiert werden können. Schlimmstenfalls, wenn eine Kolik einen Transport in die Klinik verlangt. Und eins ist sicher: wenn ein Pferd ohne Bauchschmerzen nicht in den Hänger steigt, wird es mit Schmerzen erst recht nicht einsteigen.

Ein brauner Wallach aus Dortmund kann das bestätigen: Die Besitzerin hatte es längst aufgegeben, mit dem Braunen zu üben - er geht ja doch nicht rein. Professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, kam ihr nicht in den Sinn. Dann aber kam der Tag, an dem das Pferd unter schweren Kolikschmerzen litt und der Tierarzt einen Verdacht auf Darmverschlingung hatte. Jetzt musste das Pferd schnellstmöglich in die Klinik und in den Hänger - mit allen Mitteln. Am Ende stieg das Pferd vor der Ladeklappe, riss diese mit hoch und fügte sich dabei weitere Verletzungen zu. Um ihn letztendlich in die Klinik zu transportieren, musste er sediert und mit einem Trecker in den Hänger gezogen werden. Nach seiner Genesung gelang es, auch diesem Pferd die Angst vor dem Hänger zu nehmen. Neben dem intuitiven tieferen Verständnis für die Ursachen ist hier ein Coach, der den Druck aus dem ganzen Thema nimmt und so erneutes Vertrauen ermöglicht, der wichtigste Faktor für den Erfolg. Bei einem feinstufigen Desensibilisierungsprogramm machte das Pferd Schritt für Schritt neue Erfahrungen rund um den Hänger und lässt sich heute mühelos verladen.

"Pferde vergessen nichts, aber sie verzeihen alles", so Monty Roberts. Im Training wurde Schritt für Schritt die Erfahrung "Hänger Fahren tut weh" gelöscht und durch eine neue Erfahrung "Hänger fahren ist toll" ersetzt. Dazu wurde der eigentliche Verladeprozess in viele kleine Schritte eingeteilt, hier ein Beispiel:

  1. 1. Termin: Pferd verladen, ausladen, auf die Weide stellen.
  2. 2. Termin: Pferd flüssiger verladen, ausladen, auf die Weide stellen.
  3. 3. Termin: Pferd flüssig verladen, zehn Sekunden still stehen lassen, ausladen, auf die Weide stellen.
  4. 4. Termin: Pferd flüssig verladen, eine Minute still stehen lassen, ausladen, auf die Weide stellen.
  5. 5. Termin: Pferd flüssig verladen, still stehen lassen, hintere Begrenzungsstange einhängen, aufmachen, abladen, auf die Weide stellen usw.

In vielen Fällen kann man mehrere Trainingschritte auf einmal üben. Das hängt immer vom Pferd ab. Die einzelnen Trainingseinheiten können bis zu eineinhalb Stunden dauern. Am Ende steht immer ein Erfolg.

Den Teufelskreis durchbrechen

Erzwingt man das Einsteigen, reagieren Pferde mit Steigen, Hin- und Herlaufen, Wegspringen, Kopfschlagen, Stehenbleiben, Rückwärtslaufen, Fliehen, starkem Schwitzen und Zittern. Andere Vierbeiner steigen im Hänger, eilen rückwärts wieder vom Hänger herunter, trampeln oder wollen gar nicht mehr aussteigen.

Bei all dem sind Verletzungen für Reiter und Pferd vorprogrammiert und nach zwei Stunden erfolglosen Verladeversuchen liegen die Nerven völlig blank. Und genau jetzt steigt das Pferd erst recht nicht ein, weil es durch das Verhalten des Menschen eine weitere Gefahr wittert, die nur mit dem Hänger zusammenhängen kann.


Die gute Nachricht ist, dass allen Beteiligten dauerhaft geholfen werden kann, wenn Besitzer oder Reiter sich entschließen professionelle Hilfe anzunehmen. Das Ziel eines Verladetrainings sollte sein, dass der Reiter lernt, seinen Vierbeiner souverän an jedem Ort und zu jeder Zeit dauerhaft ohne Hilfsmittel zu verladen.

Eine Dame aus Sprockhövel hatte es satt, immer auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein. Sie wollte ihr Pferd ohne fremde Hilfe verladen können. Ihr großer Wallach hatte keine Angst einzusteigen, doch stieg er ohne Aufforderung ständig rückwärts wieder aus, so dass das Schließen der Ladeklappe unmöglich war. Mit Hilfe eines speziellen Coachings, das nur wenige Stunden in Anspruch nahm, erreichte sie ihr Ziel mühelos. Diese Grundregeln für die Sicherheit von Reiter und Pferd sind zu beachten:

Grundvoraussetzung für das Verladen ist ein absolut sicherer Pferdeanhänger, der allen Bestimmungen des Straßenverkehrs gerecht wird. Darüber hinaus muss seine Innenausstattung dem Schutz des Pferdes beim Transport dienlich sein. Beim Kauf eines Anhängers ist darauf unbedingt zu achten.

Beim Verladen und Ausladen des Pferdes ist die richtige Reihenfolge zu beachten:

  1. 1. Das Pferd wird in den Hänger geführt.
  2. 2. Erst wenn es ruhig darauf stehen bleibt wird es vorne angebunden, während die hintere Begrenzungsstange fixiert wird.
  3. 3. Danach ist die Ladeklappe sofort zu schließen. Sollte das Pferd dabei sehr ungeduldig reagieren, ist bereits ein Verladetraining zum Schutze des Pferdes und der Verkehrsteilnehmer nötig. Beim Ausladen ist ebenfalls auf die richtige Verladereihenfolge zu achten:
  4. 1. Ladeklappe öffnen.
  5. 2. Pferd vom Anbindestrick lösen. Gegebenenfalls einen zweiten Strick zur Hand nehmen.
  6. 3. Die hintere Begrenzungsstange öffnen.
  7. 4. Erst nach einigen Sekunden wird das Pferd aufgefordert auszusteigen.

Ein ruhiges Aussteigen mindert die Unfallgefahr, ein panisch herauseilendes Pferd kann sich selbst und den Besitzer in Gefahr bringen. Außerdem fördert ein ruhiges Aussteigen das nächste Einsteigen des Pferdes. Eilt ein Pferd panisch von Hänger herunter, liegt bereits ein Verladeproblem vor.

Auch sollte peinlich darauf geachtet werden, dass die hintere Begrenzungstange in jedem Fall eingehängt und fixiert wird. Denn dadurch hat der Hänger mehr Stabilität während der Fahrt. Das gilt besonders für ältere Hänger, die aus Holz gefertigt sind und eine flexible Haube haben.

Ein Pferd, das im Hänger ein panisches Verhalten zeigt, sollte nicht gefahren werden, um mögliche Unfälle zu vermeiden. Durch ein Desensibilisierungsprogramm bzw. ein spezielles Verladetraining, können die Pferde aber ihre Scheu vor dem Hänger und beim Fahren verlieren.

Die Pferdebeine können durch entsprechendes Zubehör, wie beispielsweise spezielle Transportgamaschen während der Fahrt geschützt werden. Beim Verladetraining kann auf den Beinschutz schon mal bewusst verzichtet werden, damit die Pferde wieder lernen auf ihre Beine aufzupassen. Pferde können durch ständiges Bandagieren und dem Verkleiden mit Gamaschen verlernen, die Verantwortung für ihre Beine zu übernehmen. Häufiges Stolpern kann eine Folge davon sein.

Janet Rosenberger

Janet Rosenberger ist mit Pferden groß geworden. Seit 1979 besitzt sie eigene Pferde. Sie beobachtete immer wieder die Grenzen im Verständnis zwischen Mensch und Tier und suchte nach Antworten und professionellen Ansätzen. Die fand sie im zweijährigen Studium der allgemeinen Ethologie (Verhaltenswissenschaft) des Tieres in der Schweiz, das sie 2001 als zertifizierte Tierpsychologin abschloss, um sich dann in einem weiteren Studiengang auf die Verhaltenswissenschaft des Pferdes zu spezialisieren. Durch die Zusammenarbeit mit dem Journalisten, Psychologen und Kommunikationstrainer Heinz Welz lernte sie die wichtigsten Kommunikationstechniken und -methoden für Pferde in der Praxis kennen und anzuwenden. Seit 1994 ist Janet Rosenberger als Reitlehrerin und seit 2001 als Coach für Reiter und Pferd tätig.

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