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NZG online 05.06.2007
Viel mehr als nur flüstern
Jüchen. Spätestens seit Robert Redford als Pferdeflüsterer den sanften Umgang mit den eleganten Vierbeinern salonfähig machte, ist ein regelrechter Boom ausgebrochen. Veranstaltungen und Shows zum Thema sind weit im Voraus ausgebucht und wahre Pferdeflüsterer wie der Amerikaner Monty Roberts haben alle Hände voll zu tun.
Die Bezeichnung "Pferdeflüsterin" hört Janet Rosenberger indes nicht so gerne. "Für Laien ist er wundervoll", erzählt die 39-Jährige, die selbst die "Sprache" der Pferde versteht, "Insider sind aber skeptisch, weil es auf dem Markt zu viele Scharlatane gibt." In Deutschland gäbe es nur vier gute Leute, und es wäre sehr schwierig den richtigen zu finden.
Die gebürtige Österreicherin legt unterdessen in ihren Seminaren die Schwerpunkte auf einen stressfreien Umgang mit den Pferden und deutet dabei die Körperhaltung von Reiter und Tier, hilft dadurch immer dort, wo es Probleme gibt, diese zu lösen. Eine Kostprobe ihres Können gibt Janet Rosenberger am Samstag den Reitern aus Jüchen und Umgebung. In dem siebeneinhalb Stunden umfassenden Basis-Seminar möchte sie ein Sicherheitstraining vermitteln, in dem die Rangordnung zwischen Pferd und Reiter im Mittelpunkt steht.
Die lebenslustige Österreicherin kommt selbst aus einer pferdeverrückten Familie und saß schon als Sechsjährige auf dem Rücken eines edlen Vierbeiners und bekam somit die Liebe zu den Pferden bereits mit in die Wiege gelegt. "Mein Opa ritt, bis er mit 84 tot vom Pferd fiel - und mir wird es wahrscheinlich auch so gehen", erzählt die junge Frau lachend. Dennoch, erst mit 21 hatte sie ihr erstes eigenes Pferd und da die Stute sensibel und schwierig war, entstand der Wunsch, sich mit der Verhaltenswissenschaft der Pferde genauer auseinander zu setzen. Sie studierte Tierpsychologie, gab ihren Beruf als Industriekauffrau auf und wurde zur Trainerin für Pferd und Mensch.
"Ein Talent, zu spüren, was ein Pferd denkt, ist neben der praktischen Ausbildung ein Muss", erklärt, die 39-Jährige, die mit ihrer Methode erfolgreich wurde und mittlerweile in ganz Deutschland gebucht wird. "Mit Pferden muss man zum Hufschmied und zum Osteopathen. Da kann ein Problem beim Verladen schon mal zur richtigen Zerreißprobe werden - und dann werde ich gerufen", erzählt die Trainerin. Erst vor kurzem habe ein Besitzer, dessen Tochter mit dem Pferd zum Turnier fahren wollte, das Tier nicht mehr in den Hänger bekommen. "Dann überlegt man sich, trenne ich mich vom Pferd oder hole ich mir Hilfe", erzählt Janet Rosenberger. Bei einer anderen Kundin war das einfache Führen schon ein Problem.
"Sie ritt und longierte, hatte aber Angst das Pferd zu führen, was nicht zuletzt zu einem organisatorischen Problem wurde", erzählt die Reitlehrerin aus Datteln. Drei Sitzungen seien notwendig gewesen - zwei mit dem Pferd und eine mit der Besitzerin zusammen, ehe die Besitzerin ihr Pferd wieder führen konnte. Janet Rosenberger sieht ihre Aufgabe zuerst darin, mit dem Pferd zu kommunizieren, und dann die Rangordnung zu klären. Häufig übertrage der Halter seine Angst auf das Pferd.
Sieht er den Trainer, der sein Pferd ohne Probleme führe, könne das schon ein Schlüsselerlebnis sein. "Mir kommt sehr zu gute, dass ich die Gabe habe die Sicht des Pferdes zu verstehen", so Rosenberg, "ich deute die Körpersprache des Halters und übe neue Denkmuster ein, die beiden den Umgang erleichtern."
Dabei steht besonders die innere Einstellung des Reiters im Mittelpunkt: "Wenn die Gedanken stimmen muss ich gar nicht sagen, Schultern nach hinten und Kopf hoch. Wenn der Halter aufrecht geht, wie ein Top Model und nicht schlurft wie ein Penner, wird sich das Pferd anschließen", erzählt die Tierpsychologin lachend.
Das Hauptthema im Basis-Seminar wird die Rangordnung im Sinne des Pferdes sein. In drei Grundlektionen bringt Rosenberg den Teilnehmern die wichtigsten Regeln im Umgang mit den Vierbeinern näher. Der Theorieteil vermittelt den Reitern das nötige Verständnis für das Pferd. Übungen am Boden fördern Folgsamkeit und Vertrauen.
Im dritten Abschnitt geht es darum, als Reiter auf dem Pferderücken die richtigen Signale zu setzen. "Wir werden mit Halfter und Strick arbeiten. Spätestens nach einem zweiten Seminar würden die Pferdebesitzer das auch ohne Halfter hinkriegen", ist sich die Tierpsychologin sicher.
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