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Kölnische Rundschau 09.01.2008
Deutliche Worte geflüstert
Pferdepsychologin Janet Rosenberger gab Seminar
von URSULA SCHENKER
KALTENBACH. Sabrina hat Probleme mit ihrem Pferd. Der 13-jährige Fuchs ist bockig und unberechenbar. Er wirkt angespannt und nervös, als er von seiner Besitzerin in die Reithalle in Engelskirchen-Kaltenbach geführt wird.
Nachdem Sabrina mit ihrem Pferd eine Runde durch die Halle gelaufen ist, sieht Rosenberger sofort, woran es hapert: Das Tier hat Schwierigkeiten mit der Rangordnung, deshalb steht es ständig unter Spannung. "Er benötigt eine Streicheltherapie, damit er Vertrauen entwickelt und sich entspannen kann", sagt die 39-jährige "Pferdeflüstererin" aus Datteln. Rosenberger ist sicher: "Der hat mit Menschen viel erlebt, auf den hat der Vorbesitzer wahrscheinlich eingedroschen."
Vor allem junge Mädchen hörten zu
Auf Einladung des Reitsportvereins Schwarzenberg hielt die Tierpsychologin ein Tagesseminar über den stressfreien Umgang mit Pferden ab. Die 22 Teilnehmer waren überwiegend junge Mädchen.
An Sabrinas Pferd fällt der Expertin zudem auf, dass das Halfter zu tief sitzt. Die Pferdeflüstererin kann auch deutlich reden: "Es muss so eingestellt sein, dass es euer Pferd nicht umbringt. Wenn das Nasenbein gebrochen ist, geht es ab in die Wurst." Über 90 Prozent aller Stallhalfter sitzen ihrer Meinung nach zu tief.
Wie Zauberei wirkt es, wenn Janet Rosenberger ein nervöses Pferd beruhigt. Danach reagiert es bereits auf feinste Signale, lässt sich führen und lenken.
Seit fünf Jahren arbeitet Janet Rosenberger als "Coach für Mensch und Tier" Wie sie dazu kam? "Ich hatte selbst ein hochgradig schwieriges Pferd und suchte nach Auswegen." Rosenberger studierte die Ethologie des Pferdes und allgemeine Tierpsychologie. Erfahrungen sammelte sie bei Heinz Wels, einem der bekanntesten "Pferdeflüsterer."
Einfühlungsvermögen und konsequentes Verhalten schaffen Vertrauen, erklärt Rosenberger den Seminarteilnehmern. "Wer nicht weiß, was er will, kann nicht mit Tieren umgehen." Es liege in der Natur des Pferdes, immer wieder die Rangordnung zu klären. Der Mensch muss das Leittier sein. Unsicherheit des Reiters übertrage sich auf das Pferd.
Während sie spricht, streichelt sie unablässig das Fell des Tieres und flüstert ihm leise ins Ohr: "Du bist ein toller Kerl." Wie Zauberei wirkt es, als der Fuchs nach einigen Minuten entspannt seinen Kopf senkt. Kurz danach reagiert er bereits auf feinste Signale, lässt sich von Rosenberger führen und lenken.
Bei Heike, die ohne Pferd gekommen ist, fließen Tränen. Ihr zehn Jahre alter Haflinger sei unberechenbar. Sie habe mittlerweile Angst vor ihm. Rosenberger tröstet: "Du hast gesehen, wie man es macht: Üben, konsequent sein und nicht die Geduld verlieren."
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