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Westfälische Nachrichten, 03.05. 2007
Gelassen die Rangordnung klären
Tierpsychologin und Reitlehrerin Janet Rosenberger lehrt stressfreien Umgang mit Pferden
-leo- Everswinkel. "Ich bin ganz erschöpft, aber auch froh". Die dreizehnjährige Julia Hartmann aus Beelen strahlt und schwitzt. Sie umhalst ihr Pony, den zehnjährigen Wallach Moritz am frühen Abend zärtlich, bevor sie ihn auf den Hänger bringt, um mit den Eltern nach Hause zu fahren. Beide hatten einen harten Tag, angefüllt mit neuen Eindrücken. Julia war eine der Jüngsten im Kreis der 17 Seminar-Teilnehmer auf der Reitanlage des Reit- und Fahrvereins. Ein Seminar von Janet Rosenberger.
Pferdeflüsterin? Nein. Die Bestimmungen des Copyrights verbieten es der Tierpsychologin mit der Fachrichtung Ethologie (Verhaltenswissenschaft bei Tieren), den Künstlernamen des großen Monty Roberts zu benutzen. In der Sache jedoch wirkt Rosenberger nach dessen Vorbild. Sie beginnt ihr Seminar morgens um neun und vermittelt bis mittags viel Theorie, nachdem jeder Teilnehmer seine Erwartungen und Wünsche an das Seminar dargestellt hat. Dabei macht sie sich viele Notizen. Von den fünf angemeldeten Pferden sind leider drei Besitzer nicht erschienen, ein unerwarteter Einnahmeausfall. So haben Rosenberger und ihre Assistentin Dina nach der Mittagspause ausgiebig Zeit, sich mit Moritz und Sultan, jüngeren Wallachen, in der Reithalle zu befassen.
"Es kommt darauf an, mit dem Pferd die Rangordnung zu klären. Das Thema hatten wir schon in der Theorie, aber jetzt zeige ich wie es gemacht werden sollte". Während Rosenberger spricht, geht sie forsch voran, stets abgewandt von Sultan. Der folgt am Führstrick, will überholen, sie verhindert das und zeigt dem Pferd damit, dass sie führt. Dann bleibt sie abrupt stehen, wendet sich Sultan zu und lobt ihn. "Mit flacher Hand am Hals streicheln, nicht klopfen", sagt sie, und setzt langsam Schritt vor Schritt. Das zwingt das Tier zum Rückwärtsgehen, was kein Pferd liebt. Sie führt. Wieder loben. So geht es nicht nur mit Sultan, sondern auch mit Moritz. Dann folgen andere Übungen für Reiter, und Pferde, in denen Mensch und Tier Gelassenheit lernen.
Nachmittags, gegen 16 Uhr: Abschlussbesprechung. Rosenberger zieht ihre Notizen vom Eingangsgespräch zurate, die Teilnehmer ziehen ihr Fazit. Alle sind sich einig: Es war ein anstrengender Tag, acht Stunden lang Lernen über das Herdentier Pferd, über die soziale Ordnung und die Kommunikation auf der Koppel und vieles mehr. "Mit diesen pferdegetreuen Kenntnissen kann ich die Verbindung zu meinem jungen Sultan festigen", freut sich sagt Julia Schulze-Versmar, steigt in den Sattel und reitet der Abendsonne entgegen nach Hause, während sich Julia Hartmann mit ihrem Moritz in die andere Richtung auf den Weg macht.
Westfälische Nachrichten, 3.Mai 2007
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